Vier Monate bis zum Start der EUDI-Wallet: Digitale Identität muss im Alltag funktionieren
Die EUDI-Wallet ist weit mehr als ein neues App-Projekt. Mit ihr entsteht ein völlig neues Ökosystem für digitale Identitäten in Deutschland und Europa. Entscheidend wird deshalb sein, dass wir nicht bei technischen Konzepten und ersten Prototypen stehen bleiben, sondern schnell zu Anwendungen kommen, die im Alltag tatsächlich funktionieren.
Darüber habe ich beim Ministerialkongress gemeinsam mit Nadine Köster vom Bundeszentralamt für Steuern, der niedersächsischen Digitalisierungsstaatssekretärin Anke Pörksen, Clemens Schleupner von SPRIN-D und der sächsischen CIO Dr. Daniela Dylakiewicz diskutiert. Moderiert wurde die Runde von Tobias Link von BearingPoint.
Für mich sind dabei drei Punkte besonders wichtig:
Erstens: Aus einzelnen Projekten muss ein funktionierendes Ökosystem werden. Mit eIDAS 2.0, den europäischen Vorgaben und den bisherigen Pilotprojekten ist das Fundament gelegt. Jetzt müssen wir Regulierung und praktische Entwicklung zusammenbringen. Die EUDI-Wallet bietet die Chance, bei der Digitalisierung einen echten technologischen Sprung zu machen – wenn wir konsequent vom konkreten Nutzen her denken.
Zweitens: Der Erfolg entscheidet sich vor Ort. Eine digitale Identität ist nur dann etwas wert, wenn sie im Rathaus, bei Unternehmen und in vielen weiteren Alltagssituationen genutzt werden kann. Bei einem Fachgespräch unserer AG Digitales gaben rund 91 Prozent der Befragten an, beim Thema Wallet noch ganz am Anfang zu stehen. Deshalb gilt für mich: zentral vorbereiten und standardisieren – kommunal einfach anwenden. Wir können nicht erwarten, dass rund 11.000 Kommunen jeweils eigene Lösungen entwickeln. Notwendig sind gemeinsame Standards, Musterprozesse und vor allem einige wenige, aber besonders nützliche Anwendungsfälle.
Drittens: Entscheidend ist, was in drei Jahren selbstverständlich geworden ist. Mein Ziel ist einfach: Wer in Dresden oder anderswo in Deutschland einen Antrag stellt, soll benötigte Nachweise direkt und sicher aus seiner Wallet übermitteln können – ohne Papierkopien und ohne wissen zu müssen, welche Register und technischen Systeme im Hintergrund zusammenspielen. Gute Digitalisierung merkt man am Ende gerade daran, dass die komplizierte Technik für den Nutzer unsichtbar bleibt.
Deshalb sollten Behörden, Kommunen und Unternehmen jetzt nicht auf die fertige Lösung warten. Sie sollten sich frühzeitig beteiligen, die Sandbox nutzen, konkrete Anwendungsfälle entwickeln und von Bund, SPRIND und den weiteren Beteiligten klare Orientierung und verlässliche Meilensteine einfordern.
Denn ob die EUDI-Wallet ein Erfolg wird, entscheidet sich nicht auf dem Papier. Es entscheidet sich daran, ob sie für Bürger, Verwaltung und Wirtschaft einen spürbaren Unterschied macht.